~50%
Marktanteil
Celonis im globalen Process-Mining-Markt (2024)
5.000+
Deployments
Weltweit, Stand Celosphere November 2025
80%
IT-Budget
Anteil für Legacy-Wartung (Branchenschätzung)

Als Marco Lübbers, Managing Director für KYC Operations im Corporate und Investment Banking der Deutschen Bank, erstmals die Celonis-Prozesslandkarte über seine KYC-Workflows legte, wurde sichtbar, was jahrelang im Verborgenen geblieben war: systematische Engpässe, redundante Kundenansprachen und Prozessschleifen, die kein Audit und kein Workshop je aufgedeckt hatten. „Celonis helps us spot opportunities to improve the KYC process and reduce our onboarding times, which is super important to the client experience", fasst Lübbers das Ergebnis zusammen. Diese Erkenntnis steht am Anfang jeder operativen Transformation im Finanzsektor: zwischen dem, was Banken glauben, wie ihre Prozesse laufen, und der Realität liegen Welten.

In einer Branche, in der manche Institute bis zu 80 Prozent ihres IT-Budgets für die Wartung von Legacy-Systemen aufwenden (eine oft zitierte Branchenschätzung, deren genaue Herkunft umstritten ist), wird Prozesstransparenz zur strategischen Notwendigkeit. Celonis, 2011 von drei Studenten der Technischen Universität München (TU München) gegründet, hat sich zum weltweit führenden Anbieter von Process Intelligence entwickelt – mit einem Annual Recurring Revenue (ARR) von über 770 Millionen Dollar (Stand 2023), mehr als 5.000 Deployments und einer Kundenliste, die von der Deutschen Bank über HSBC bis zur brasilianischen Börse B3 reicht.

Das operative Dilemma der Banken

Die Problemlage ist bekannt, aber in ihrer Tragweite unterschätzt: Rund 70 Prozent aller globalen Finanztransaktionen – von Geldautomaten-Abhebungen über Kreditkartenzahlungen bis zu Wertpapierabwicklungen – laufen irgendwann über Mainframe-Systeme. Über 40 Prozent aller Bankensysteme weltweit basieren auf COBOL, einer Programmiersprache aus dem Jahr 1959. Gleichzeitig gehen die COBOL-Programmierer, die diese Systeme am Leben halten, in den Ruhestand – und der Nachwuchs hat wenig Interesse an veralteter Technologie.

Für die operative Exzellenz bedeutet das ein fundamentales Paradoxon: Banken investieren massiv in Technologie, aber die Kosten sinken nicht. McKinsey spricht vom „Produktivitätsparadoxon" – die Technologieausgaben bei Asset Managern steigen mit einer jährlichen Wachstumsrate von 8,9 Prozent, doch die Kosten als Anteil am verwalteten Vermögen bleiben hartnäckig flach. Der Grund: Es werden Einzelprozesse automatisiert, aber das operative Gesamtbild bleibt undurchsichtig.

Die Zahlen werden durch den aktuellen Agentic-AI-Hype noch verschärft. BCG-Daten zeigen: 95 Prozent der Organisationen erzielen keinen messbaren Return aus Generative AI (GenAI); nur 26 Prozent kommen über den Proof of Concept hinaus. Gartner bestätigt: Weniger als 30 Prozent der AI-Verantwortlichen berichten, dass ihr CEO mit dem AI-ROI zufrieden ist. Der Grund ist fast immer derselbe: AI-Initiativen werden auf kaputte Prozesse aufgesetzt, die niemand vollständig versteht.

Warum Operational Excellence im Banking so schwer zu erreichen ist – Die sechs Kernherausforderungen

Legacy-Systeme: Starre Mainframe-Architekturen verhindern schnelle Anpassungen. 53 Prozent der Institute können ihre Operationen nicht effektiv skalieren.

Regulierungsdruck: DORA, T+1-Settlement, MiCA, FiDA und Anti-Money-Laundering-Anforderungen (AML) binden enorme Ressourcen und erfordern gleichzeitig Stabilität und Agilität.

AI-Skalierung: Fragmentierte Prozesse, unstrukturierte Daten und fehlende Echtzeitintegration hindern Banken daran, KI über Pilotprojekte hinaus zu skalieren. 57 Prozent der Organisationen schätzen ihre Daten als nicht AI-ready ein (Gartner, 2025).

Talentmangel: Der Wissensverlust durch pensionierte Legacy-Experten trifft auf fehlende Bereitschaft junger Talente, mit veralteten Systemen zu arbeiten.

Kultureller Widerstand: Hierarchische Strukturen und risikoaverse Kultur in großen Finanzinstituten bremsen den nötigen Kulturwandel. Prozesstransparenz kann bedrohlich wirken, wenn sie Ineffizienzen und Verantwortlichkeiten offenlegt.

Wettbewerbsdruck: Neobanken und Fintechs operieren mit bis zu zehnfach günstigeren Cost-to-Serve-Modellen. McKinsey prognostiziert, dass 170 Milliarden Dollar an globalen Bankprofiten für Institute auf dem Spiel stehen, die nicht adaptieren.

Genau in dieser Gemengelage positioniert sich Celonis. Nicht als weiteres Automatisierungstool, sondern als die Intelligenzschicht, die Banken erst befähigt, ihre Probleme zu verstehen – bevor sie versuchen, sie zu lösen.

Wie Celonis funktioniert: Vom Event-Log zum digitalen Zwilling

Celonis beantwortet eine einzige, aber fundamentale Frage: Wie laufen unsere Geschäftsprozesse tatsächlich ab – im Unterschied zu dem, was wir designt oder dokumentiert haben? Die Antwort liefert die Celonis Process Intelligence Platform in vier Schritten.

So funktioniert die Celonis Process Intelligence Platform

1. Daten-Extraktion: Konnektoren zu ERP-Systemen (Enterprise Resource Planning), Core Banking, CRM (Customer Relationship Management) und weiteren Systemen extrahieren Event-Logs – also zeitgestempelte Datensätze jedes Prozessschritts.

2. Process Intelligence Graph: Millionen Datenpunkte werden zu End-to-End-Prozessabläufen rekonstruiert und mit Geschäftskontext angereichert: ein lebender digitaler Zwilling.

3. Analyse & Impact: Prozessabweichungen, Engpässe und Compliance-Verstöße werden visualisiert und deren finanzieller Impact quantifiziert.

4. Orchestrierung & AI: Die Orchestration Engine – seit November 2025 als Kernfunktion der Plattform verfügbar – koordiniert Aufgaben über alle Tools, Systeme und Abteilungen hinweg, inklusive AI-Agenten, RPA-Bots (Robotic Process Automation) und manueller Tätigkeiten.

Im Unterschied zu statischen Prozessmodellen zeigt der Process Intelligence Graph nicht den Soll-Zustand, sondern die tatsächliche operative Realität, systemübergreifend und in Echtzeit. Constellation Research brachte es auf der Celosphere 2025 auf den Punkt: „Celosphere 2025 isn't about process mining anymore, it's about decision mining: finding, understanding and executing where AI should act." (Einordnung: Constellation war als Analyst auf einer Celonis-Veranstaltung – der Kontext begünstigt positive Einschätzungen.)

Die Plattform ist bewusst systemagnostisch: Sie dockt an SAP, Oracle, Salesforce, Avaloq, Temenos oder proprietäre Core-Banking-Systeme gleichermaßen an. In der Praxis bedeutet „systemagnostisch" allerdings nicht „aufwandslos": Banken mit heterogenen, nicht-SAP-basierten IT-Landschaften – etwa gewachsen durch Fusionen – benötigen eine vorgelagerte Konsolidierung der Event-Log-Formate. Die Neutralität ist ein Vorteil, aber kein Selbstläufer.

Von Process Mining zu Agentic Process Intelligence – Celonis Schlüsseltechnologien

Object-Centric Process Mining (OCPM): Seit 2023 analysiert Celonis Prozesse nicht mehr in isolierten Einzelsträngen, sondern bildet die Verflechtung mehrerer Geschäftsobjekte (Aufträge, Rechnungen, Kunden) in einem einzigen Modell ab. Neue Analysetools wie Performance Spectrum und Instance Explorer machen die Komplexität navigierbar.

Task Mining & AI-driven Task Discovery: Desktop-Aktionen wie Tastatureingaben, Mausklicks und Bildschirm-Scrolls werden erfasst und mit Geschäftsprozessen verknüpft – für vollständige Transparenz auch jenseits der Systemgrenzen. Die Deutsche Bank plant den Einsatz von Task Mining, um Prozessschritte außerhalb der Kernsysteme zu erfassen.

Celonis Data Core: Bi-direktionale Zero-Copy-Integration mit Data Lakes wie Databricks und Microsoft Fabric – keine Datenduplizierung nötig. Auf der Celosphere 2025 wurde die Databricks-Integration als Ergänzung zur bestehenden Microsoft-Fabric-Anbindung angekündigt.

AgentC Suite: Process Intelligence API für AI-Plattformen wie Microsoft Copilot Studio, Amazon Bedrock und Salesforce Agentforce. Dazu der weltweit erste Model Context Protocol Server (MCP Server) für Process Intelligence – ein universaler Konnektor, über den jeder AI-Agent auf den Process Intelligence Graph zugreifen kann.

Process Copilot: Seit Mai 2025 allgemein verfügbar. Ein GenAI-Chatbot mit natürlichsprachlicher Abfrage auf Prozessdaten, integriert in Slack und Microsoft Teams. Empfohlene Fragen, KPI-Monitoring und direkte Aktionen (CSV-Export, E-Mail-Generierung) aus dem Chat heraus.

Orchestration Engine: Koordiniert das zunehmend komplexe Netz aus RPA-Bots, AI-Agenten, Workflow-Automatisierungen und manuellen Aktivitäten in einem einzigen Steuerungslayer – seit der Celosphere 2025 als General Availability (GA) Kernfunktion.

Für Enterprise-Anwendungsfälle gibt es kein AI ohne PI – keine künstliche Intelligenz ohne Process Intelligence. AI braucht Prozesswissen und Geschäftskontext, um geschäftskritische Aufgaben effektiv zu erledigen. Alex Rinke, Co-CEO und Mitgründer von Celonis, Mai 2025

Diese These hat inzwischen akademische Unterstützung: Prof. Wil van der Aalst (RWTH Aachen, Chief Scientist bei Celonis) veröffentlichte im August 2025 das Paper „No AI Without PI!" (arXiv:2508.00116), in dem er Object-Centric Process Mining als das „Missing Link" zwischen Daten und Prozessen beschreibt. Und Celonis' eigene Umfrage unter 1.620 Führungskräften (Unternehmen mit über 500 Millionen Dollar Umsatz) zeigt: 89 Prozent sagen, AI braucht den Kontext, wie ihr Unternehmen funktioniert, um effektive Ergebnisse zu liefern. 58 Prozent sorgen sich, dass Prozessdefizite den AI-Wert limitieren.

Eine wichtige Einordnung: Diese Umfrage wurde von Celonis selbst beauftragt, die These ist inhärent selbstreferentiell – wenn „No AI without PI" stimmt, ist Celonis als Marktführer in PI der natürliche Profiteur. Unabhängig von der Quelle konvergieren die Befunde aber mit den Beobachtungen von BCG, Gartner und McKinsey: AI-Initiativen, die ohne Prozessverständnis gestartet werden, scheitern überproportional häufig.

Celonis im Banking: Wo die Plattform konkret wirkt

Die Celonis Banking Solutions werden von namhaften Instituten eingesetzt – darunter Wells Fargo, HSBC, ABN AMRO, Standard Bank, Deutsche Bank und Atruvia, der IT-Dienstleister der Volks- und Raiffeisenbanken. Die Anwendungsfelder im Finanzsektor umspannen die gesamte operative Wertschöpfungskette – mit zunehmend konkreten, messbaren Ergebnissen.

KYC und Client Onboarding

Know Your Customer (KYC) bindet bei großen Finanzinstituten bis zu 33 Prozent des Compliance-Budgets (Fenergo-Studie). Die Deutsche Bank setzt Celonis im Corporate und Investment Banking ein, um KYC-Workflows zu optimieren – mit signifikanter Reduktion der Onboarding-Zeiten und geringerer Häufigkeit redundanter Kundenansprachen. Der nächste Schritt: Machine-Learning-Komponenten für prädiktive SLA-Einhaltung.

Im Juli 2025 lancierten Celonis und Bright Cape den Smart KYC Control Tower – eine spezialisierte Lösung für KYC-Compliance-Optimierung, die End-to-End Process Monitoring, Echtzeit-Insights und SLA-Breach-Prevention kombiniert. ABN AMRO nutzt Celonis seit über vier Jahren mit fünf realisierten Use Cases über die gesamte E2E-Prozesskette.

Cross-Border Payments und CIB Operations

Die eindrucksvollste Banking-Fallstudie kommt aus Südafrika: Die Standard Bank, größte Bank des Kontinents, hat ihre CIB-Operations (Corporate and Investment Banking) mit Celonis transformiert. Das Ergebnis: Eine Straight-Through-Processing-Rate (STP) von über 90 Prozent bei Cross-Border Payments und eine Reduktion der Bearbeitungszeit von bis zu 55 Stunden auf wenige Stunden. Richard de Roos, Head of CIB Operations: „Celonis is part of how we run the business. It allows us to leapfrog into the future and to compete with best-practice fintechs globally." Die Bank expandiert den Einsatz nun auf Trade Products und Investment Banking.

Standard Bank CIB Operations – Transformation in Zahlen

STP-Rate: >90 % bei Cross-Border Payments (vorher deutlich niedriger)

Bearbeitungszeit: Von bis zu 55 Stunden auf wenige Stunden

Volumen: 9–11 Billionen ZAR monatliches Cross-Border-Zahlungsvolumen

Methode: „Intelligent Processing Model" (IPM) mit Celonis als Single Vendor

Expansion: Trade Products und Investment Banking als nächste Domänen

Kreditprozesse und regulatorische Compliance

Im Kreditgeschäft hat Celonis laut dem gemeinsamen BCG-White-Paper die Wartezeit bei Kreditgenehmigungen um 50 Prozent reduziert und 100 Tage bei Credit Recovery eingespart. PostFinance nutzt die Plattform für Kontoeröffnung und Kreditentscheidungen. Die Degussa Bank – mit 6,1 Milliarden Euro Bilanzsumme eine der größeren deutschen Privatbanken – setzt Celonis seit 2020 für die Compliance mit MiFID-II- und WpHG-Recording-Pflichten (Wertpapierhandelsgesetz) ein und erzielte eine Verbesserung der Recording Consolidation Rate um 12 Prozent.

Trade Settlement und Capital Markets

Im Kontext des T+1-Settlement-Regimes – in den USA seit Mai 2024 in Kraft, in der EU ab Oktober 2027 – wird Echtzeit-Prozesstransparenz im Post-Trade-Bereich von der Komfortfunktion zur operativen Notwendigkeit. Celonis adressiert die SEC-Anforderungen und die Central Securities Depository Regulation (CSDR) direkt: Process Mining im Trade Lifecycle ermöglicht automatisches Mapping auch hochvolumiger Produkte wie FX, quantifiziert Impact auf Liquidität und Capital at Risk und liefert Root-Cause-Analysen für fehlgeschlagene oder falsch gebuchte Trades. Accenture bietet im Celonis-Marketplace eine dedizierte Post-Trade-Settlement-App mit Frühwarnsystem für Verzögerungen.

Die brasilianische Börse B3 setzt Celonis in Procure-to-Pay und Procurement ein – mit 75 Prozent Reduktion der Procurement-Durchlaufzeiten und einem KI-Agenten für automatisierte Vertragserneuerungen. Das zeigt: Auch die Kapitalmarktinfrastruktur selbst profitiert von Process Intelligence.

Eine ehrliche Einordnung: Im engeren Sinne – Derivatives Operations, Collateral Management, spezifische Reconciliation-Prozesse im Wertpapierbereich – sind die öffentlich dokumentierten Use Cases noch begrenzt. Celonis' Stärke im Capital-Markets-Bereich liegt bislang primär im Post-Trade Settlement, Cross-Border Payments und im KYC-Onboarding für Investment-Banking-Kunden. Die Ausweitung auf die gesamte Trade-Lifecycle-Kette ist der logische nächste Schritt, aber noch nicht flächendeckend belegt.

Fraud und Anti-Money-Laundering

In Partnerschaft mit Doculabs transformiert Celonis die Prozesse hinter Finanzkrimi-Ermittlungen. Process Mining deckt systematische Ineffizienzen in AML-Untersuchungsprozessen auf – etwa redundante manuelle Prüfungen, fehlende Priorisierung nach Risiko und inkonsistente Eskalationspfade. EY-Studien zeigen: Agentic-AI-gestützte AML-Ermittlungen können die Bearbeitungszeit pro Investigation um 50 Prozent reduzieren.

Quantifizierte Ergebnisse im Banking – Performance-Steigerungen durch Process Intelligence

Cross-Border Payments: >90 % STP-Rate, 30 % Reduktion Cycle Time (Standard Bank)

KYC-Onboarding: Signifikante Reduktion Onboarding-Zeiten, weniger redundante Kundenansprachen (Deutsche Bank)

Kreditgenehmigung: 50 % Reduktion der Wartezeit; 100 Tage gespart bei Credit Recovery (BCG/Celonis)

Recording Compliance: 12 % Verbesserung Recording Consolidation Rate für MiFID II (Degussa Bank)

Dokumentenabgleich: 25.000 Stunden gespart bei manueller Dokumentenprüfung (BCG/Celonis)

Procurement (B3): 75 % Reduktion Durchlaufzeiten, 5 Wochen bis Payback

Konversionsrate: 15 % Steigerung; bei einer Digitalbank ~50 % (BCG/Celonis)

Kundenzufriedenheit: 10–15 Punkte Verbesserung im NPS (BCG/Celonis)

Marktübersicht: Celonis und seine Wettbewerber

Der Process-Mining-Softwaremarkt wächst stark, aber die Schätzungen variieren je nach Definition erheblich: Von 18,6 Prozent CAGR (Compound Annual Growth Rate, Mordor Intelligence, engste Definition) bis 59,4 Prozent (Grand View Research). Der Konsens liegt bei einer jährlichen Wachstumsrate von 44 bis 45 Prozent. Der Gartner Magic Quadrant 2025 bewertet erstmals 16 Anbieter – ein Zeichen für die Reife des Marktes. Celonis führt zum dritten Mal in Folge als Leader mit der höchsten Platzierung bei „Completeness of Vision".

Anbieter Positionierung Banking-Relevanz
Celonis (Leader) Process Intelligence Platform. ~50 % Marktanteil. Gartner Leader 2025 (zum dritten Mal). Forrester Leader. System-agnostisch, stärkste KI-Funktionen (PI Graph, AgentC, MCP Server). Breiteste Banking-Referenzen (Deutsche Bank, Standard Bank, HSBC, Wells Fargo, ABN AMRO, Atruvia). Smart KYC Control Tower. BCG- und McKinsey-Partnerschaften. 383 % ROI über drei Jahre (Forrester TEI, Celonis-gesponsert).
SAP Signavio (Leader) Process Mining + Modellierung + Simulation. Gartner Leader. Tiefste SAP-Integration am Markt. Joule-KI-Copilot mit 40 Skills seit Januar 2026. AI Agent Excellence für Agentic-AI-Governance. Ideal für SAP-zentrische Institute. Dediziertes DORA-Compliance-Angebot und Financial Services & Insurance-Branchenlösung. Schwächer bei Nicht-SAP-Systemen.
IBM (Leader) Process Mining mit watsonx-Integration und OCPM-Compliance. Hybrid Cloud via Red Hat OpenShift. Fokus auf regulierte Industrien. Starke Position bei Banken mit IBM-Infrastruktur und Hybrid-Cloud-Anforderungen. OCPM-Fähigkeit für komplexe Banking-Prozesse.
UiPath (Leader) Process Mining + Task Mining + Communications Mining in einer Plattform. Geschlossener Kreislauf von Discovery bis Bot-Automatisierung. Multi-Process Mining seit Mai 2025. Attraktiv für Institute, die Mining primär als Vorstufe zur Bot-Automatisierung betrachten. Einziger Anbieter mit nahtlosem Discovery-to-Execution. Schwächer bei Echtzeit-Analyse.
Pegasystems (Leader) Workflow Intelligence + Process Mining. Integration mit Pega-Plattform für Case Management und Low-Code-Automatisierung. Dedicated Financial Services-Fokus. Stark bei Instituten, die bereits Pega für Case Management nutzen.
Software AG (ARIS) (Leader) Etabliertes Prozessmodellierungs-Erbe. Prescriptive Analytics und DMN-Regelchecks (Decision Model and Notation). Stark bei Governance und Compliance-Dokumentation. Verbreitet in regulierten Umgebungen. Hinkt bei AI-Features hinterher. Erfordert mehr technische Expertise.
Microsoft (Challenger) Power Automate Process Mining mit Copilot-Integration. Low-Code. Hohe Sichtbarkeit durch M365-Ökosystem. Einstiegs-Szenario für kleinere Institute. Wachsende Relevanz, aber keine eigenständige Enterprise-Process-Intelligence-Plattform. Strategische Partnerschaft mit Celonis.
ServiceNow (Challenger) Native Now-Platform-Integration. Akquisition von UltimateSuite für Task Mining. GenAI-Funktionen. Relevant für Institute, die ServiceNow als ITSM-Plattform (IT Service Management) nutzen. Schnell wachsend, aber noch ohne tiefe Banking-Spezialisierung.

Die Celonis-McKinsey-BCG-Dimension

Bemerkenswert ist die strategische Verschränkung von Celonis mit den führenden Managementberatungen. BCG unterhält eine dedizierte Partnerschaft mit Celonis für AI-driven Process Intelligence im Banking und hat gemeinsam ein White Paper zu „Banking (Ops) Excellence" veröffentlicht, das einen dreistufigen Ansatz beschreibt: Assessment of Potential Value, North Star & Execution Blueprint, MVP Launch. Die quantifizierten Ergebnisse – 50 Prozent Effizienzsteigerung, 30 Prozent Reduktion Cycle Time bei Cross-Border Payments, 25.000 eingesparte Stunden bei Dokumentenabgleich – stammen aus diesem Kontext. Wichtige Einordnung: BCG und McKinsey haben ein finanzielles Interesse daran, Celonis-Projekte zu verkaufen. Die Ergebnisse im White Paper sind nicht unabhängig verifiziert.

McKinsey ist Platinum Partner von Celonis und kombiniert strategische Beratungsexpertise mit der Process-Mining-Technologie für Transformationsprogramme. Accenture unterhält eine Strategic Global Alliance seit 2022 mit über 2.000 AI-Engagements. Für Finanzinstitute bedeutet das: Celonis ist nicht nur ein Software-Vendor, sondern zunehmend Teil des strategischen Beratungsökosystems – und die Beratungshäuser nutzen Celonis als „Evidenzmaschine" für ihre Transformationsmandate.

Unternehmen scheitern mit Agentic AI, weil ihre zugrundeliegenden Prozesse kaputt sind. Die Process-Intelligence-Schicht von Celonis adressiert diese fundamentale Lücke. Carsten Thoma, Präsident von Celonis, November 2025

Die These beider Beratungshäuser konvergiert: Operative Exzellenz im Banking erfordert zunächst Prozesstransparenz, dann Prozess-Redesign, dann erst Technologieeinsatz. Celonis liefert die Infrastruktur für Schritt eins und zunehmend auch für Schritt drei – während die Beratungen Schritt zwei verantworten.

Ein strategisch relevantes Personalsignal: Im Juli 2025 wurde Dilipkumar Khandelwal – vormals Top-Manager bei SAP und Deutsche Bank – zum Chief Customer Officer (CCO) von Celonis und Chairman des India Advisory Board berufen. Das unterstreicht den Banking-Fokus und die geplante Expansion in Indien.

Agentic AI und Process Intelligence: Die Konvergenz

Celonis hat auf der Celosphere 2025 in München (4.–5. November 2025, über 3.000 Teilnehmer) seine Vision einer „Agentic Process Intelligence" konkretisiert. Die Kernbotschaft: AI-Agenten brauchen Prozesskontext – „just like a GPS needs a map" (Alex Rinke). Die Plattform-Architektur besteht aus drei Schichten: Data Core (Hochperformante Dateninfrastruktur), Process Intelligence Graph (lebender Digital Twin) und Build Experience (Analyse, Design, Betrieb AI-getriebener Prozesse).

Der Model Context Protocol Server (MCP Server) ist dabei das strategisch bedeutsamste Produkt. MCP – im November 2024 von Anthropic als Open-Source-Standard lanciert – standardisiert, wie AI-Modelle auf Unternehmensdaten zugreifen. Celonis' MCP Server für Process Intelligence ermöglicht jedem AI-Agenten unabhängig vom LLM-Anbieter (Large Language Model), auf den Process Intelligence Graph zuzugreifen. Das ist der „USB-Standard für AI-Integrationen" im Unternehmenskontext.

Allerdings warnt Thoughtworks' Technology Radar (Vol. 33) vor „naiver API-to-MCP-Konversion": Security ist das Hauptproblem des MCP-Ökosystems – Tool Poisoning, Cross-Server Shadowing und fehlende Authentifizierung sind reale Risiken, die bei der Enterprise-Adoption adressiert werden müssen.

Die Marktzahlen für Agentic AI im Banking sind beeindruckend, aber mit Vorsicht zu genießen: Accenture nennt 2026 das Jahr der „skalierten Transformation durch Agentic AI". McKinsey prognostiziert, dass AI bestimmte Bankkosten um bis zu 70 Prozent reduzieren könnte. IDC erwartet 1,3 Milliarden AI-Agenten in Business-Workflows bis 2028. Aber KPMG stellt nüchtern fest: Nur 11 Prozent der Unternehmen haben Agentic AI tatsächlich produktiv im Einsatz. 48 Prozent nennen Governance-Bedenken als Haupthindernis.

Was nicht funktioniert: Lessons Learned und kritische Einordnung

Die dokumentierten Praxiserfahrungen zeigen klare Muster für erfolgreiche und gescheiterte Implementierungen. Eine ausgewogene Betrachtung muss auch die Limitationen benennen.

Fünf Erfolgsfaktoren aus realen Banking-Implementierungen

Scope bewusst begrenzen: Process Mining eignet sich nur für hochvolumige, stark automatisierte Prozesse. Nicht jeder Bankprozess profitiert – das Expectation Management gegenüber dem Vorstand ist entscheidend.

Datenqualität als Vorbedingung: Die größte Anfangsherausforderung ist die Identifikation, Sammlung und Bereinigung der Event-Log-Daten. Fachbereichsverantwortliche müssen aktiv eingebunden werden. Der durchschnittliche Center of Excellence (CoE) umfasst 15 Vollzeitkräfte (Deloitte).

Klaren Use Case definieren: Ob Prozesstransparenz, Optimierung, Monitoring oder Compliance – der Anwendungszweck muss vor dem Start klar sein und von Stakeholdern getragen werden.

Optimierung tatsächlich umsetzen: Die Wertschöpfung durch Process Mining wird erst durch die Umsetzung identifizierter Maßnahmen realisiert. Mining allein erzeugt keinen ROI. Prof. van der Aalst warnt in seinem arXiv-Paper vor „post-mortem analysis" ohne Echtzeit-Handlungsfähigkeit.

Stufenweise skalieren: Erfolgreiche Institute starten mit einem einzelnen Prozess oder Teilprozess und skalieren dann systematisch auf weitere Domänen. Implementierungen dauern nicht selten 12 bis 24 Monate.

Devil's Advocate: Sechs unbequeme Wahrheiten über Process Intelligence

1. Datenqualität ist eine Schwelle, kein Feature: Process Mining lebt von Event-Logs. Wenn Daten fragmentiert, gesperrt oder fehlerhaft sind, entstehen falsche Schlussfolgerungen – besonders bei Banken ohne SAP als Kernsystem, die heterogene Event-Log-Formate konsolidieren müssen.

2. Analysis Paralysis ist real: Die massive Menge an Insights kann lähmend wirken, wenn keine klare Governance existiert, wer auf Basis welcher Erkenntnisse handeln darf. HFS Research stellt fest: Mehr als zwei Drittel der Process-Intelligence-Lösungen liefern enttäuschende Ergebnisse.

3. ROI-Zahlen stammen von Celonis: Die Forrester-TEI-Studie (383 % ROI) wurde von Celonis gesponsert. Die 89-Prozent-Umfrage wurde von Celonis beauftragt. Unabhängige, nicht von Celonis finanzierte ROI-Studien für den Banking-Sektor sind rar.

4. Agentic AI funktioniert auch ohne Process Mining: Für bestimmte Use Cases – Code-Generierung, KYC-Dokumentenextraktion, Customer Service Chatbots – ist Agentic AI erfolgreich, ohne dass Process Intelligence vorgeschaltet sein muss. Die Kausalrichtung der „No AI without PI"-These ist vereinfachend.

5. DSGVO und Betriebsrat sind in Deutschland Showstopper: Celonis extrahiert Event-Logs aus Kernsystemen; Task Mining erfasst Desktop-Aktionen von Mitarbeitern. In deutschen Unternehmen mit Betriebsrat und strenger DSGVO-Auslegung ist das ein hochsensibles Thema, das frühzeitig mit Arbeitnehmervertretung und Datenschutzbeauftragtem abgestimmt werden muss – andernfalls scheitert die Implementierung an rechtlichen, nicht an technischen Hürden.

6. Kosten und Lock-in werden nicht adressiert: Celonis veröffentlicht keine Listenpreise. Der durchschnittliche Center of Excellence (CoE) umfasst 15 Vollzeitkräfte (Deloitte), Implementierungen dauern 12 bis 24 Monate. Wenn der Process Intelligence Graph zum zentralen Steuerungslayer wird, entsteht ein erhebliches Vendor-Lock-in. Datenportabilität und Exit-Strategien sind Themen, die vor der Beschaffung geklärt werden sollten.

Celonis-Plattform-Evolution · 2011–2026

2011
Gründung in München
Drei TU-München-Studenten entwickeln erste Process-Mining-Lösung.
2018
Intelligent Business Cloud
Skalierbare Cloud-Plattform für Enterprise Process Mining – Durchbruch im Massenmarkt.
2020
Execution Management System (EMS)
Erweiterung von Analyse zur Ausführung: Celonis wird zur Handlungsplattform.
2022
Serie D – $13,2 Mrd. Bewertung
Höchstbewertung als privates Unternehmen. Strategische Allianzen mit Accenture und McKinsey. Forbes Cloud 100.
2023
Object-Centric Process Mining
Systemagnostische, mehrdimensionale Prozessansicht. Process Copilot als Beta. ARR über 770 Mio. Dollar.
Oktober 2024
AgentC Launch (Celosphere 24)
Process Intelligence als Grundlage für Agentic AI. Neue API-Schicht für externe AI-Plattformen. Bewertungskorrektur auf ~$7,7 Mrd. (laut Medienberichten, nicht offiziell bestätigt).
Mai 2025
Celonis:Next – Solution Suites & Process Copilot GA
Process Copilot allgemein verfügbar in Slack und Teams. Erweiterte AgentC API für Microsoft Copilot Studio, Amazon Bedrock, Salesforce Agentforce. Smart KYC Control Tower mit Bright Cape.
November 2025
Celosphere 25 – MCP Server & Orchestration Engine GA
Weltweit erster Process Intelligence MCP Server. Orchestration Engine als GA-Kernfunktion. Data Core für Databricks und Microsoft Fabric. 120 Value Champions mit >$10 Mio. realisiertem Wert, $8,1 Mrd. Gesamtwert. 5.000+ Deployments.
2026+
Ausblick: Agentic Process Intelligence als Industriestandard?
Forbes Cloud 100 Platz 12, Fortune Future 50 Platz 3. Celonis als Prozess-Intelligenzschicht für KI-Agenten. IPO-Spekulationen. 16 Anbieter im Gartner MQ – der Markt professionalisiert sich.

Handlungsempfehlungen für deutsche Finanzinstitute

Auf Basis der analysierten Marktdaten, Beratungsansätze, Fallstudien und kritischen Einordnungen ergeben sich sieben konkrete Empfehlungen für Institute, die Process Intelligence als Hebel für operative Exzellenz evaluieren.

1. Prozesstransparenz vor Technologieinvestition

Bevor in RPA, AI oder neue Core-Banking-Systeme investiert wird, muss Klarheit über die tatsächlichen Prozessabläufe herrschen. Ein Process-Mining-Pilotprojekt auf einem klar definierten Kernprozess – KYC-Onboarding, Kreditantrag oder Cross-Border Payments – schafft die Evidenzbasis für alle weiteren Investitionsentscheidungen. Die Erfahrung der Deutschen Bank zeigt: Zwischen angenommenen und tatsächlichen Workflows liegen systematische Abweichungen, die ohne datenbasierte Analyse unsichtbar bleiben.

2. Datenqualität als strategisches Fundament behandeln

Process Mining liefert nur so gute Ergebnisse wie die zugrundeliegenden Event-Logs. Ein dediziertes Datenqualitäts-Assessment der relevanten Quellsysteme sollte jeder Implementierung vorausgehen – inklusive klarer Verantwortlichkeiten der Fachbereiche. Institute mit heterogenen, nicht-SAP-basierten IT-Landschaften benötigen zusätzliche Konsolidierungsarbeit. Der CoE-Aufbau (Center of Excellence) mit durchschnittlich 15 Vollzeitkräften sollte von Anfang an eingeplant werden.

3. DORA- und T+1-Compliance als Katalysator nutzen

Die DORA-Anforderungen (Digital Operational Resilience Act) an Prozessresilienz und -dokumentation und die T+1-Umstellung (EU: Oktober 2027) bieten natürliche Einstiegspunkte für Process Intelligence. Statt Compliance als reinen Kostenfaktor zu behandeln, sollte der digitale Prozesszwilling gleichzeitig als Basis für operative Optimierung dienen. SAP Signavio bietet bereits eine dedizierte DORA-Lösung; Celonis adressiert T+1 und CSDR direkt.

4. Vendor-Auswahl am Ökosystem ausrichten

SAP-zentrische Institute sollten SAP Signavio evaluieren. Institute mit starkem Automatisierungsfokus UiPath. Banken mit IBM-Infrastruktur und Hybrid-Cloud-Anforderungen den IBM-Ansatz. Für systemagnostische, End-to-End-Process-Intelligence mit strategischem AI-Ambitionsniveau bleibt Celonis die Benchmark – insbesondere durch die Banking-Fallstudien und BCG/McKinsey-Partnerschaften. Gartner und Forrester bestätigen die Führungsposition, aber die Wettbewerbslandschaft mit 16 bewerteten Anbietern bietet inzwischen echte Alternativen.

5. Von der Diagnose zur Aktion überbrücken

Process Mining allein erzeugt keinen ROI – das ist die unbequemste Wahrheit in diesem Markt. Erfolgreiche Institute wie die Standard Bank definieren vorab, welche Ressourcen für die Umsetzung identifizierter Maßnahmen bereitstehen, und verknüpfen Process Intelligence mit konkreten Automatisierungs- und Change-Management-Initiativen. Die Celonis Orchestration Engine und dedizierte KI-Agenten (wie B3's Vertragserneuerungs-Agent) schließen diese Lücke technisch – aber die organisatorische Verankerung bleibt Managementaufgabe.

6. Agentic AI mit Augenmaß evaluieren

Die Konvergenz von Process Intelligence und Agentic AI ist real – Celonis' MCP Server, AgentC und Process Copilot sind produktionsreif. Aber die Marktrealität ist ernüchternd: Nur 11 Prozent haben Agentic AI produktiv im Einsatz (KPMG). Institute sollten heute evaluieren, wie ein Process-Intelligence-Layer als Kontextschicht für AI-Agenten in KYC, AML, Credit Risk und Procurement dienen kann – aber mit realistischen Erwartungen bezüglich Implementierungsdauer und Governance-Anforderungen.

7. Kulturwandel und Governance von Anfang an mitdenken

Prozesstransparenz kann bedrohlich wirken – sie zeigt, wo Ineffizienzen liegen und wer für sie verantwortlich ist. Ein begleitendes Change Management, das Transparenz als Chance und nicht als Kontrollinstrument positioniert, ist essenziell für die Akzeptanz im Haus. McKinseys Daten zeigen: First Mover erzielen einen 4-Prozent-Vorteil bei Return on Tangible Equity (ROTE). Wer nicht handelt, riskiert strukturelle Wettbewerbsnachteile – aber wer zu schnell handelt, ohne die Organisation mitzunehmen, scheitert ebenfalls.

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