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the agentic banker #12

Der Preis fällt, die Aufseher rücken zusammen

GPT-5.6 Luna 80 Prozent billiger, Muse Glimmer unter Apache-2.0, gemeinsame Erklärung von EBA, EIOPA und ESMA zu Frontier-AI-Modellen, 92 Prozent Bargeldakzeptanz – was in den letzten Wochen wirklich zählt.

Christian Schablitzki · 18. August 2026

Highlight

Der Preis fällt, die Aufseher rücken zusammen

Knapp drei Wochen Sommerpause, und die Preisliste für maschinelle Intelligenz sieht anders aus. OpenAI hat das günstigste Modell der GPT-5.6-Reihe um 80 Prozent verbilligt, Google gibt Gemini 3.7 Flash zunächst zum halben späteren Preis aus, und Meta stellt ein Modell mit 30 Milliarden Parametern unter eine freie Lizenz, das auf einem gut ausgestatteten Notebook läuft. Für die Planung in einem Haus verschiebt das eine Grenze: Was im Frühjahr eine Investitionsentscheidung war, wandert in die Betriebskosten.

Dieselbe Periode zeigt aber auch, wie schnell eine Zahl ihren Ursprung verliert. Die meistgeteilte Preismeldung dieser Wochen lautete, das Spitzenmodell Sol sei um die Hälfte billiger geworden. Das stimmt so nicht: OpenAIs Listenpreis steht unverändert bei 5 und 30 US-Dollar je Million Token, der Rabatt gehört einem Wiederverkäufer – und ist befristet. Wer Modellkosten budgetiert, prüft künftig besser, wer den Preis eigentlich setzt.

Auf der anderen Seite des Tisches haben EBA, EIOPA und ESMA am 31. Juli eine gemeinsame Erklärung zu den IKT-Risiken aus Frontier-AI-Modellen veröffentlicht und darin auch die DORA-Aufsicht über kritische Drittanbieter fortgeschrieben. Und während in Frankfurt am digitalen Euro gebaut wird, meldet die EZB, dass der Handel im Euroraum wieder häufiger Bargeld annimmt als vor zwei Jahren – und im selben Zeitraum die Akzeptanz mobiler Zahlungen von 36 auf 68 Prozent gesprungen ist. Drei Geschwindigkeiten, die am Ende in derselben Bank zusammenlaufen.

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Wenn der Agent den Händler überwacht: Die Handelsüberwachung der Deutschen Bank mit Google Cloud

Die Deutsche Bank entwickelt mit Google Cloud eine Handelsüberwachung, die auf einem großen Sprachmodell aufsetzt und Auffälligkeiten in Orders, Trades und Marktbewegungen an einen menschlichen Compliance-Officer eskaliert. Bekannt wurde das Vorhaben über einen Bloomberg-Bericht; offiziell bestätigt hat es keines der beiden Häuser. Der Artikel trennt, was belegt ist, von dem, was kursiert: Die oft zitierte Senkung der Fehlalarme um mehr als 25 Prozent ist eine Aussage des damaligen Technologievorstands ohne veröffentlichte Methodik, und die 40-Prozent-Zahl, die in mehreren Berichten mitläuft, gehört einer anderen Bank. Die zweite Ausbaustufe berührt zudem eine Frage, die in Deutschland der Betriebsrat mitentscheidet.

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Preise: Der Preisboden fällt, aber nicht dort, wo die Schlagzeile es behauptet

OpenAI hat am 30. Juli die Preise für zwei der drei GPT-5.6-Varianten gesenkt: Luna kostet statt 1,00 und 6,00 US-Dollar je Million Token nun 0,20 und 1,20, ein Rückgang um 80 Prozent. Terra fällt um 20 Prozent auf 2,00 und 12,00 Dollar. Google zog am 13. August nach und gibt Gemini 3.7 Flash zum Einführungspreis von 0,75 und 3,75 Dollar aus, befristet bis Jahresende. Durch die Timelines lief allerdings eine dritte Zahl: Sol sei um 50 Prozent billiger geworden. Das stimmt so nicht. OpenAIs Listenpreis steht unverändert bei 5,00 und 30,00 Dollar; der Rabatt ist eine befristete Aktion des Wiederverkäufers OpenRouter. Der Listenpreis blieb also, was er war; billiger wurde eine Aktion des Wiederverkäufers.

Infrastruktur: 750 Token in der Sekunde, aber noch ohne Preisschild

OpenAI und Cerebras zeigen seit dem 13. August eine Vorschau auf Ultrafast, eine Stufe der API oberhalb des bisherigen Fast-Modus. GPT-5.6 Sol läuft dabei auf Hardware, die die Modellgewichte direkt im Chip-Speicher hält, und erreicht bis zu 750 ausgegebene Token je Sekunde. Den Abstand zum Wettbewerb beziffert Cerebras auf das Elffache von Fable 5 und das Fünffache von Opus 4.8 im Fast-Modus, gerechnet auf Durchsatzwerte von Artificial Analysis; es sind die Zahlen des Anbieters, keine unabhängige Messung. Der Zugang bleibt zunächst einer ausgewählten Gruppe von Kunden vorbehalten, einen Preis hat OpenAI nicht veröffentlicht. Dort, wo die Antwortzeit Teil der Kontrolle ist, etwa bei der Betrugserkennung im laufenden Zahlungsfluss, entscheidet sie darüber, ob ein Agent noch vor der Buchung eingreifen kann.

Open Source: Ein Haus öffnet seine Gewichte, das andere hält sie zurück

Meta hat am 10. August Muse Glimmer veröffentlicht, ein Modell mit 30 Milliarden Parametern unter Apache-2.0-Lizenz, ausgelegt auf dauerhaft mitlaufende lokale Agenten. Vier-Bit-quantisiert bleibt es unter 20 Gigabyte und läuft auf einem gut ausgestatteten Notebook. Für Häuser, die Datenresidenz nicht vertraglich, sondern physisch lösen wollen, ist das die bemerkenswertere Nachricht des Monats, auch wenn Meta selbst nicht damit wirbt. In die Gegenrichtung ging Z.ai: GLM-5.3 nutzt dieselbe Basis wie der Vorgänger, verdoppelte im Nachtraining aber die Trefferquote beim Ausnutzen von Schwachstellen (ExploitBench 24,4 auf 54,4 Prozent; beim bloßen Auffinden waren es 77,2 auf 84,5) und spürte gemeinsam mit Sicherheitsteams über 2.400 Lücken in 269 Projekten auf. Die Gewichte hält Z.ai vorerst zurück und kündigt eine Sicherheitsprüfung an.

Banking & Regulation

was jetzt wirklich zählt

Der Handel im Euroraum nimmt wieder mehr Bargeld an

92 Prozent der Unternehmen mit physischer Verkaufsstelle im Euroraum akzeptieren Bargeld, zwei Prozentpunkte mehr als bei der Vorerhebung 2024. Die EZB liest den Wert ausdrücklich als Erholung nach dem Rückgang während und nach der Pandemie. Befragt wurden zwischen Februar und April 2026 insgesamt 8.205 Unternehmen in allen 21 Ländern des Euroraums. Die größere Bewegung steht allerdings eine Zeile weiter: Die Akzeptanz mobiler Zahlungen sprang im selben Zeitraum von 36 auf 68 Prozent, während die Kartenakzeptanz bei 88 Prozent verharrte. Bargeld gewinnt also nicht gegen das Digitale; es hat aufgehört zu verlieren, während daneben ein Kanal seine Reichweite in zwei Jahren nahezu verdoppelt. Für die Einordnung wichtig: Gemessen wurde die Akzeptanz durch die Händler, nicht die Nutzung durch die Kundschaft – das sind zwei verschiedene Fragen.

Drei Aufsichtsbehörden, eine gemeinsame Erklärung zu Frontier-AI-Modellen

EBA, EIOPA und ESMA haben am 31. Juli eine gemeinsame Erklärung zu den IKT-Risiken aus Frontier-AI-Modellen veröffentlicht. Sie fordern einen sektorübergreifenden, risikobasierten und einheitlich angewandten Aufsichtsansatz und stützen sich dabei auf den Aktionsplan der Europäischen Kommission zu Cybersicherheit und Künstlicher Intelligenz sowie auf Arbeiten von ESRB, ENISA und dem Einheitlichen Aufsichtsmechanismus. Der operativ konkreteste Teil steht weiter hinten im Dokument: Die Erklärung schreibt die laufenden und geplanten DORA-Aufsichtsaktivitäten für kritische IKT-Drittanbieter fort. Wer seine Modelle über einen solchen Anbieter bezieht, findet die Konsequenz also nicht im KI-Regelwerk, sondern im Auslagerungsregister. Die Behörden empfehlen die Erklärung ausdrücklich als Grundlage für den Aufsichtsdialog – eine Einladung, die man annehmen kann, bevor die Frage im Prüfungsbericht auftaucht.

Signal & Noise

was Deine Zeit wert ist

  • Ein autonomer Angreifer-Agent kompromittiert Snowflakes Jira über eine CI/CD-Lücke – Wiz Research. Die Lücke kam nicht aus einer maschinellen Korrektur: Der Beitrag von Copilot Autofix im selben Pull Request betraf eine andere Datei. Ob die fehlerhafte Änderung selbst KI-gestützt entstand, lässt Wiz ausdrücklich offen; Copilot war Co-Autor des Pull Requests und gab ihn ohne Befund frei. KI stand damit auf beiden Seiten: Der Agent von Wiz baute den Angriff, korrigierte sich nach einem Fehlschlag selbst und zog Zugangsdaten ab. Snowflake bestätigte den Fund und schloss die Lücke am Tag der Meldung. Pflichtlektüre für jeden, der Agenten Schreibrechte in der Build-Kette gegeben hat.
  • Anthropics Wasserzeichen im Text und was es mit dem Schreiben macht – John Gruber, Daring Fireball. Künftige Claude-Modelle sollen bei längeren Texten die Wortwahl statistisch verschieben, damit der Text als maschinell erzeugt erkennbar bleibt; Anlass ist der EU-Kodex zur Transparenz KI-erzeugter Inhalte. Gruber hält das für einen Eingriff in die Qualität des Textes selbst. Anthropic bestreitet einen Qualitätsverlust und verweist auf interne Tests und eine kontrollierte Studie mit menschlichen Bewertern; Gruber nennt diese Begründung euphemistisch. Für die Umsetzung der Transparenzpflichten bei KI-Texten ist das der unbequeme Teil der Debatte.
  • Verschlüsselte Denkprozesse lassen sich aus LLM-Schnittstellen zurückgewinnen – Alexander Panfilov u. a., MPI für Intelligente Systeme und ELLIS Institute Tübingen. Die Autoren führen die verschlüsselten Reasoning-Spuren großer Anbieter in Klartext zurück und finden in öffentlich geteilten Protokollen Zugangsdaten und personenbezogene Daten. Noch nicht begutachtet, aber einschlägig überall dort, wo vertrauliche Sachverhalte über eine Modell-Schnittstelle laufen.
  • OpenAI misst, wie Unternehmen KI einsetzen, an den eigenen Nutzungsdaten – OpenAI. Aufschlussreiche Zahlen zur Verschiebung vom Assistieren zum Ausführen. Die Datenbasis ist allerdings die Telemetrie der eigenen zahlenden Kundschaft und keine randomisierte Erhebung mit Kontrollgruppe. Lesenswert als Anbietersicht, nicht als Marktstudie.
  • Konsolidierte Bankendaten zum Ende des ersten Quartals 2026 – Europäische Zentralbank. CET1-Quote 16,27 Prozent, NPL-Quote 1,98 Prozent, Bilanzsumme 34,33 Billionen Euro. Die ausgewiesene Eigenkapitalrendite von 2,44 Prozent ist ein nicht annualisierter Quartalswert – eine Zahl, die außerhalb der Meldung regelmäßig als Jahresrendite missverstanden wird.

„It is wholly a confusion of ideas to suppose that the economical use of fuel is equivalent to a diminished consumption. The very contrary is the truth."

– William Stanley Jevons, The Coal Question, 1865
▸ Quellen dieser Ausgabe
  1. Wenn der Agent den Händler überwacht: Die Handelsüberwachung der Deutschen Bank mit Google Cloud – Schablitzki Consulting
  2. Advancing the price-performance frontier with GPT-5.6 – OpenAI
  3. GPT-5.6 Sol – Preisübersicht und befristete Rabattaktion – OpenRouter
  4. Introducing Gemini 3.7 Flash – Google
  5. Accelerating GPT-5.6 Sol Ultrafast with OpenAI – Cerebras
  6. Previewing Ultrafast mode – OpenAI
  7. Introducing Muse Glimmer, an open agentic model – Meta AI Research
  8. GLM-5.3: Frontier coding with emergent cyber capabilities – Z.ai
  9. Cash remains most widely accepted payment method in euro area – Europäische Zentralbank
  10. EBA, EIOPA and ESMA call for enhanced governance and consistent supervision to mitigate ICT risks from frontier AI models in the EU financial sector – EBA, EIOPA, ESMA
  11. Wie ein autonomer Red-Team-Agent Snowflakes Jira über eine CI/CD-Lücke kompromittierte – Wiz Research
  12. Anthropic's watermark text adulteration in Claude is a perversion of writing – John Gruber, Daring Fireball
  13. Stealing Reasoning Traces from Proprietary LLM APIs (Preprint) – Alexander Panfilov u. a., MPI / ELLIS Institute Tübingen
  14. From assistance to execution: How enterprises put AI to work – OpenAI
  15. ECB publishes consolidated banking data for end-March 2026 – Europäische Zentralbank
  16. The Coal Question, Kapitel VII (zitiert nach der 2. Auflage 1866) – William Stanley Jevons, 1865
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Christian Schablitzki

Christian Schablitzki

Strategy & Management Consultant · Agentic-AI-Experte für Finanzinstitute

Über 20 Jahre in Investmentbanking und Derivatehandel, anschließend mehr als 10 Jahre als Berater für Finanzinstitute. Aktuell Partner bei Infosys Consulting in Deutschland. Zertifiziert in Google AI, Generative AI Leader (Google Cloud) und IBM RAG and Agentic AI.

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